Farbe, Fahnen, Emotionen

GRAFENRHEINFELD

Farbe, Fahnen, Emotionen
Verpackungskünstler in Maria Schutz – 40 Jahre Jugendhilfezentrum Grafenrheinfeld
Nicht Künstler Christo war am vergangenen Wochenende im Jugendhilfezentrum Maria Schutz zu Gange, sondern die Kinder und Jugendlichen der Einrichtung höchstpersönlich. Im Rahmen eines Projektes zur „Partizipation“ haben sie im Juni riesige Leinwände mit Kinderrechten kunterbunt gestaltet und damit ihr Haus „verpackt“. Enthüllt wurden die Arbeiten nun am Tag der Offenen Tür anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Jugendhilfezentrums.
1971 eingeweiht, reicht die Vorgeschichte allerdings bis weit ins 19. Jahrhundert hinein. Seit 1856 besteht die ursprünglich als Waisenhaus konzipierte Einrichtung der Armen Schulschwestern, und hat sich in diesen gut 150 Jahren zu einer modernen Institution der Kinder- und Jugendhilfe mit vielschichtigen, heilpädagogischen Angeboten entwickelt. Viel hat sich getan, wie die Präsentation von Gesamtleiter Andreas Waldenmeier zeigt. Ein Rückblick, der gleichsam auch ein gesellschaftspolitischer Streifzug durch die sich ständig wandelnde Situation unseres Landes ist.
Die antiautoritäre Erziehung, Informationskampagnen wie „Heim Danke“, aber auch die Einführung von Hartz IV hatten und haben, so Waldenmeier, erhebliche Auswirkungen auf die Jugendhilfearbeit. Einen wichtigen Stellenwert in der therapeutischen Arbeit nimmt heute die Erlebnispädagogik ein, das hauseigene Zirkusprojekt und der Klettergarten sind höchst erfolgreiche Konzeptionen, die den Kindern und Jugendlichen viel vom nötigen Selbstvertrauen schenken.
„Das Wohl der Kinder“ liegt auch dem Caritasverband Schweinfurt als Träger am Herzen, so Vorsitzender Leonard Riegel, doch ist die Einrichtung mittlerweile auch ein Wirtschaftsfaktor. 59 Arbeitsplätze sind mittlerweile in Grafenrheinfeld entstanden. Einst durch die Armen Schulschwestern geführt, sind es heute pädagogische Fachkräfte, die die Kinder und Jugendlichen in den verschiedenen Bereichen betreuen. 109 Kinder und Jugendliche haben alleine in den letzten zehn Jahren die Einrichtung verlassen. Je ein Drittel kehrt in die eigene Familie zurück, geht seinen eigenen Weg oder in ein anderes System der Erziehungshilfe, zum Beispiel in Pflegefamilien. „Die Kinder brauchen uns, so wie sie jetzt dasitzen“ erläutert Andreas Waldenmeier mit einem Blick auf die vielen Kinder im Zirkuszelt. „Sie sind unsere Zukunft“, umso mehr ein Grund für alle Beteiligten, am gleichen Strang zu ziehen und ihre Gegenwart kindgerecht und würdig zu gestalten, ihnen eine Chance zu geben.
Wichtig sei die Integration der Kinder und Jugendlichen ins dörfliche Leben, denn in erster Linie sind sie, so Bürgermeisterin Sabine Lutz, für die Dauer ihres Aufenthaltes „Grafenrheinfelder Kinder“. Diese Intention hat sich auch der neu gegründete Förderkreis auf die Fahne geschrieben, wie Vorsitzende Martina Gießübel vor geladenen Gästen aus Wirtschaft und Politik erläuterte. Mit einem Kaffee- und Kuchenstand präsentierte sich der jüngste Grafenrheinfelder Verein erstmals in der Öffentlichkeit und nutzte gleich die Gelegenheit, die gemeinnützige Arbeit und ihre von Spenden finanzierten ambitionierten Projekte vorzustellen.
Mit den Klängen der einrichtungseigenen Percussiongruppe hatte der Tag stimmungsvoll begonnen, mit einem Mitmachkonzert der Percussionistin Petra Eisend endete er – rundum gelungen – am Abend.

Von unserer Mitarbeiterin Daniela Schneider
Schweinfurter Tagblatt, 30.09.11

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