Wenn verschieden sein normal ist

Die Unterfrankenschau macht vor, wie Inklusion funktionieren kann. Im Zelt auf dem Messegelände gehen Leute ein und aus, tummeln sich Kinder, Jugendliche, Eltern und Rentner. Mitten im Trubel stehen die Gewinner der Inklusionspreise, behinderte und nicht behinderte Menschen, und stellen ihre Projekte vor.

„Was wir wollen, ist eine Gesellschaft, in der es normal ist, verschieden zu sein“, sagt Erwin Dotzel. Er ist Präsident des Bezirks Unterfranken, der den Preis seit vier Jahren verleiht. „Denn verschieden zu sein, ist schön. Oder wer möchte schon in einer uniformen Welt leben?“, fügt Dotzel hinzu. Das ermögliche Inklusion: eine vielseitige Gesellschaft, an der jeder teilnehmen könne. Abgeschlossen sei das jedoch noch nicht: „Inklusion ist das große Zukunftsthema“, prognostiziert der Bezirkspräsident.

Fünf ganz unterschiedliche Projekte

Umso erfreuter zeigt sich Dotzel über das Interesse am Inklusionspreis. 37 Bewerber gab es in diesem Jahr. Der Bezirk Unterfranken vergab die Auszeichnung mit einem Preisgeld von 2500 Euro in den vier Kategorien „Arbeit“, „Bildung und Erziehung“, „Wohnen“ sowie „Freizeit, Kultur, Sport, Natur und Umwelt“ und den Sonderpreis „Vielfältiges Engagement für Inklusion“. Leicht sei die Entscheidung nicht gewesen, sagt Dotzel. „Eigentlich hätte jeder einen Preis verdient.“ Der Preis sei ein Zeichen dafür, „dass die Inklusion in Unterfranken angekommen ist“, versichert Dotzel.

So kommen die ausgezeichneten Projekte alle aus verschiedenen Lebensbereichen und unterschiedlichen Orten des Bezirks. In der Kategorie „Bildung und Erziehung“ erhält der AWO-Hort der Eichendorffschule in Veitshöchheim den Inklusionspreis. Dort leben Kinder mit und ohne Behinderung zusammen. Von 140 haben aktuell 16 ein Handicap. Der Hort will zeigen, dass Inklusion gelingen kann. Dafür lernen die Kinder zum Beispiel, in Gebärdensprache zu singen.

Zirkus weckt die Eigenmotivation der Kinder

Das Zuverdienstprojekt „Mitten im Leben“ aus Klingenberg-Trennfurt wird in der Kategorie „Arbeit“ geehrt. Menschen, die wegen psychischer Erkrankungen nicht mehr arbeiten, sollen wieder in den Arbeitsmarkt kommen. Geschäftsführerin Yvonne Schnellbacher will darauf aufmerksam machen, dass die Mitarbeiter eine normale Ausbildung haben. „Die Menschen hatten ja auch ein Leben vor der Krankheit.“

Der Kinderzirkus „Rafeldinio – alle machen mit“ des Jugendhilfezentrums Maria Schutz in Grafenrheinfeld wird im Bereich „Wohnen“ ausgezeichnet. In der Einrichtung leben junge Menschen, die von Jugendämtern vermittelt werden. „Bei uns sind nur Kinder, deren Eltern nicht präsent sind“, sagt Heimleiterin Stefanie Kimmel. Mit den Kindern mit und ohne Behinderung üben die Mitarbeiter für Zirkusvorstellungen. Sebastian Wenzel leitet die Proben. „Bei Zirkusprojekten ist es so, dass Kinder eine sehr hohe Eigenmotivation entwickeln“, sagt der Zirkuspädagoge.

Zwei Projekte teilen sich den Sonderpreis

In der Freiwilligen Feuerwehr aus Hohenroth nehmen Menschen mit Behinderung an Übungen, Sitzungen und Umzügen teil. Für die Feuerwehrmänner sei das selbstverständlich. Deshalb haben sie erst nicht gewusst, ob sie sich bewerben sollten, sagt der Vorsitzende Martin Schäfer. „Ein Projekt hat ein Anfang und ein Ende und wir leben das seit 18 Jahren. Für uns ist das fast nichts Besonderes mehr.“ Die Feuerwehr erhielt den Preis in der Kategorie Freizeit, Kultur, Sport, Natur und Umwelt.

Den Sonderpreis der Inklusion teilen sich zwei Preisträger: die „AG Rhönrad“ und die „AG HipHop“ aus Marktheidenfeld. Beide machen Sport mit Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung und wollen so Vorurteile abbauen. „Unsere AG zeigt, dass es einfach cool ist, zusammen zu tanzen. Egal, ob mit Rollstuhl oder ohne“, sagt Tanzlehrerin Patrizia Kurz.

veröffentlicht in der Mainpost; 05.10.2018; verfasst von Lara Wantia

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